Urbane Gärten in Buenos Aires 2004

Diplomarbeit an der TU-Berlin, Stadt- und Regionalplanung
Isabella Haidle (Alias: Ella von der Haide) und Christoph Arndt

Die vorliegende Arbeit gibt erstmals einen Überblick über die Praxis der urbanen Gärten in Buenos Aires.
Die Arbeit basiert im Wesentlichen auf einer qualitativen, explorativen Erhebung, die von den VerfasserInnen in urbanen Gärten und Organisationen in Buenos Aires durchgeführt wurde.
Nach Auswertung der nur vereinzelt vorliegenden Daten kann von mindestens 100.000 Gärten in ganz Buenos Aires ausgegangen werden.

Innerhalb der Arbeit werden:

  • die Verbreitung der urbanen Gärten in Buenos Aires dargestellt
  • die Gründe für deren Entwicklung beschrieben
  • die verschiedenen Formen urbaner Gärten typisiert
  • die Potenziale und Defizite dieser Praxis herausgearbeitet
  • Einflussfaktoren und Ansatzpunkte für Handlungsmöglichkeiten aufgezeigt

Anders als es die gängige Ansicht über urbane Landwirtschaft nahe legt, beziehen sie ihrer Motivation, Gärten anzulegen, nicht ausschließlich aus der Notwendigkeit, ihre Ernährung sicherstellen zu müssen. Die GärtnerInnen verfolgen mit ihren Gärten die Umsetzung ökologischer Ideale, sie nutzen sie zur Freizeitbetätigung, Ausbildung oder Therapie; sie beteiligen sich mit ihnen an der Gestaltung des öffentlichen Raums, bauen soziale Netze auf und materialisieren ihren politischen Protest.
Ein wichtiger Beitrag, den die VerfasserInnen mit dieser Arbeit zur Charakterisierung der urbanen Gärten leisten, ist die Klassifizierung in fünf Gartentypen entsprechend der Ziele und der Organisationsform der GärtnerInnen:

  • Familiengärten, die in der Regel von einem Haushalt mit dem vorrangigen Ziel der Nahrungsmittelproduktion unterhalten werden;
  • Nachbarschafts-Gärten, die von Nachbarschaftsinitiativen betrieben werden, um ideelle, raumgestalterische und soziale Ziele zu verwirklichen;
  • piqueter@-Gärten, die von Erwerbslosenorganisationen sowohl aus materiellen als auch aus politischen und sozialen Gründen unterhalten werden;
  • comedor-Gärten, die sowohl der Versorgung von Volksküchen mit frischem Gemüse als auch der Integration von Kindern und Erwachsenen aus dem direkten Umfeld dienen und
  • Institutions-Gärten, die zur Umsetzung der Ziele der jeweiligen Organisation (z.B. Umwelterziehung in Schulen, Therapie in Krankenhäusern) eingerichtet sind.

Interessant ist insbesondere die Übertragbarkeit auf europäische oder nordamerikanische Städte liegen, da die Geschichte von Buenos Aires als einer wohlhabenden, industrialisierten Stadt und deren wirtschaftliche Segregation durch ein neoliberales Wirtschaftsprogramm Parallelen zur Situation in europäischen und nordamerikanischen Städten aufweist – als Beispiele mögen die Privatisierung und darauf folgende „Verschlankung“ staatlicher Unternehmen, Entlassungen und Erwerbslosigkeit sowie eine wachsende Schicht von Menschen nahe oder unterhalb der Armutsgrenze dienen.

Die Arbeit wurde 2006 mit dem Nachwuchsförderpreis der Georg Lusisoder Umweltstiftung ausgezeichnet.