Fragen und Antworten

Urbane Gärten und Gemeinschaftsgärten sind ein weltweit vorkommendes Phänomen.
Immer mehr Menschen kommen zusammen, um gemeinsam ihre Umgebung zu gestalten und ökologische Nahrungsmittel anzubauen.

Was sind urbane Gärten und Gemeinschaftsgärten?

Arbeitseinsatz im Gemeinschaftsgarten La Boca

  • Gemeinschaftsgärten sind kollektiv betriebene Gärten.
  • Die Grundstücke befinden sich meistens in der Stadt. Daher wird synonym auch der Begriff: urbane Gärten und Urban Gardening verwendet.
  • Die Fläche ist nur zeitweise und in kleineren Teilen einzelnen Personen zugeordnet, ansonsten wird in der Gruppe gearbeitet.
  • Was gepflanzt wird ist sehr unterschiedlich. Gemüse und Obst aber auch reine Ziergärten oder Parkanlagen sind möglich, auch Tiere werden dort gehalten.
  • Oft sind die Gärten öffentlich zugänglich.
  • Der rechtliche Status ist sehr unterschiedlich. Es kann sich um Besetzungen handeln, es können aber auch Privatgrundstücke sein oder öffentliche Gelände.
  • Die Gruppen, die Gärten betreiben, können sehr verschieden sein: NachbarInnen, politische Gruppen, Kirchen, Schulen…. (Mehr Infos finden sind bei den “Veröffentlichungen”:index.php?article_id=5&clang=0-veroeffentlichungen.html zu finden)

Warum machen Leute urbane Gemeinschaftsgärten?

Individualisierung, Globalisierung, immer größer werdende Armut, Segregation und eine hohe Erwerbslosigkeit prägen unsere Gesellschaft. In den “Community Gardens” verbergen sich viele Potenziale, die eine kreative und positive Reaktion auf aktuelle soziale und gesellschaftliche Problemlagen darstellen.
Neben dem Gärtnern gibt es jede Menge soziale, pädagogische und politische Gründe, die je nach Umfeld und Vorstellung der Gruppe ausfallen können:

  • Verbesserung der Stadtökologie,
  • Verwendung von Brachflächen,
  • Förderung der Artenvielfalt,
  • Umweltpädagogik,
  • Raumaneignung und Stadtgestaltung von unten,
  • ökologische Nahrungsmittel- und Heilpflanzenproduktion,
  • Kritik an industrieller Landwirtschaft,
  • Umsetzung von Subsistenzwirtschaft,
  • nachbarschaftliche Selbstorganisation über kulturelle Unterschiede hinweg,
  • Integration marginalisierter Personen jenseits der Erwerbsarbeit,
  • die Gestaltung von solidarischen und feministischen Aktionsräumen,
  • das Ausprobieren von partizipativer Strukturen und Basisdemokratie in der Gruppe.

Dies sind nur einige der Ideen, die hier umgesetzt werden.
Mit all diesen Aspekten beschäftigt sich die Filmreihe.

Geschichte der Gemeinschaftsgärten und der urbanen Gärten?

Guerilla Gardening in Friedrichshain, Berlin

Gemeinschaftsgärten gab es wohl schon immer und überall in Form von kollektiver Landwirtschaft. Seit den Siebzigerjahren entstanden in New York die Bewegung der Gemeinschaftsgärten auf innerstädtischen Brachen. Daraus entwickelte sich die schnell wachsende Community Garden Bewegung in ganz Nordamerika.
Dort wurde zum ersten Mal die Verknüpfung zwischen gärtnerischen, ernährungspolitischen, ökonomischen, sozialen, künstlerischen und stadtgestalterischen Fragen gemacht.
Seitdem haben sich Gemeinschaftsgärten mit ähnlichen Ansätzen immer weiter verbreitet.
Es sind auch neue Konzepte dazugekommen wie zum Beispiel die Interkulturellen Gärten in Deutschland (Wikipedia) und die Garden Guerilla Aktionen in London. (Wikipedia)

Weite Infos unter Klick zu Kapitel 3 meiner “Diplomarbeit”:index.php?article_id=10&clang=0

„Eine andere Welt ist pflanzbar“,

Plan eines Gemeinschaftsgartens

weil es eben nicht nur ums Gärtnern geht, sondern darum, in alternativen Projekten weltweit jenseits des globalen Neoliberalismus selbständig und kollektiv die Umwelt und die Gesellschaft zu gestalten.
Nicht alle Gemeinschaftsgartenprojekte sind per se progressiv oder repressionsfrei, doch ein großer Teil ist es und viele arbeiten explizit an der Emanzipation. Diese Seite und die Filme sollen Gärten, die in diese Richtung gehen, unterstützen, vernetzen und zu Neugründungen anregen.

Geschlechterverhältnis und Gärten?

Gemeinschaftsgärtnerin San Telmo, Buenos Aires

Gemeinschaftsgärtnerin San Telmo, Buenos Aires

Frauen sind nicht selten die tragenden Personen in Community Garten Projekten. Damit erfüllen sie eine wichtige Aufgabe als ein angenehm empfundener Aufenthaltsraum für Frauen innerhalb der Stadt. In Zusammenhang mit der basisdemokratischen Raumaneignung, gewinnt dies jedoch eine größere emanzipative Bedeutung.

Im Gegensatz zu der Raumaneignung innerhalb und durch Gärten findet die formelle und informelle Gestaltung von öffentlichem Raum gewöhnlich hegemonial statt, d.h. sie ist hierzulande durch die strukturellen Ungleichheiten des Geschlechterverhältnisses geprägt. Dies bedeutet leider immer noch eine Bevorzugung „männlicher“ Lebensmuster und Rollenverständnisse. Gemeinschaftsgärten bilden da eine Ausnahme als öffentlicher Frauenraum. . Zudem ist von einer individuellen Stärkung der sozialen Position der Frauen auszugehen, die sich in einem Gemeinschaftsprojekt betätigen und auf diesem Wege neue Fähigkeiten entwickeln und soziale Kontakte schließen.

Besonders wichtig ist der Aspekt der Frauenförderung oder sagen wir besser: eine das Gleichgewicht der Geschlechter bestärkende Förderung besteht darin, dass die Projekte immer auch speziell Mädchen ansprechen und dort ein sozusagen halböffentlicher Raum entsteht, in dem sie Selbstbewusstsein und Verantwortung erlernen können, jenseits von Fußballfeldern, jenseits der Kernfamilien und vor allem jenseits gängiger Konsum- und Rollenmuster.